Letzte Nacht war unbeschreiblich.
Wieder einmal bin ich schwach geworden, habe mich vollgestopft bis es nicht mehr ging. Eigentlich ist es eine ganz strukturierte und mir mittlerweile sehr bekannte Abfolge; fressen, trinken, kotzen. Dann stehe ich da, vor dem Spiegel. Mein Magen ist aufgebläht und überfüllt, ich glaube, gleich platzt er. Ich wage es gar nicht den Körper genauer zu betrachten. Erst noch etwas trinken. Ich krümme mich zusammen und gegen meinen Willen wollen meine Augen wieder weinen.
Ich kann das nicht mehr. Das ist zu viel für mich. Ich werde nie etwas schaffen. Ich habe nicht mal eine Zukunft. Ich bedeute niemandem etwas. Ich bin widerlich. Ich bin abstoßend. Ich bin schrecklich. Ich hasse mich. Hass. Hass. HASS. Es muss raus. Also stehe ich auf und beuge mich vor, Zeigefinger und Mittelfinger im Rachen. Der Würgereiz kommt. Ein, zwei, dreimal zuckt der Magen. Aufeinmal stechende Schmerzen, von den Schlüsselbeinen über den Nacken in den Kopf. Mein Herz rast und ich habe das Gefühl zu sterben. Es will nicht langsamer werden deshalb lege ich mich hin. Ich denke ernsthaft darüber nach, dass ich gleich sterben könnte. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, Angst macht es mir nicht. Ich weiß nicht genau wie lang ich dort liege. Mir ist schwindelig und der Magen sticht und fühlt sich so an als würde er jeden Moment reißen. Minutenlang starre ich das kleine Fenster an, es fühlt sich falsch an so voll zu sein obwohl man so leer ist. Das ist absoluter Nonsens. Ich hieve mich wieder hoch.
Du bist eine Schande. Du bist wertlos, schau dich doch an. Gezielt vermeide ich es in den Spiegel zu sehen und wanke in mein Zimmer, dort lege ich mich wieder hin. Fühle mich noch schrecklicher, da ich den ganzen Müll nun drin behalten habe. Wieder habe ich dieses Bild vor Augen, wie ich mein ganzes Gesicht mit einer Klinge zerschneide. Schon habe ich die Klinge in der Hand. Setze an, drücke und ziehe sie über den Arm. Es ist nicht mehr genug Schmerz um mich fühlen zu lassen. Ich fühle nichts. Und was heißt schon Ich? Das bin ich nicht. Ich bin nicht ich. Dieser Körper ist nicht ich. Spüre nichts, nur diese innere Unruhe. Bin wahnsinnig müde doch kann nicht schlafen. Dunkle Schatten vergreifen sich an mir, sie sind unheimlich. Ich bin in einer Art Halbschlaf, ich weiß nicht was es ist, ich sehe nur noch diesen Schatten. Ich kann nicht entkommen, bin wie gelähmt und kann nur zusehen bis langsam alles um mich herum dunkel wird.
Dann klingelt mein Wecker und ich wache auf, der nächste viel zu lange Tag steht an. Ich bin müde, ich kann mich kaum bewegen. Wieder wollen meine Augen nass werden, ich lasse es nicht zu.
Los, du fettes Stück Dreck. Mach dich auf den Weg. Also gehe ich los und frage mich wie ich den heutigen Tag überstehen soll, wie jeden Tag.
Tut mir Leid für den Mist. Zu mehr bin ich gerade nicht im Stande. Zu verwirrt.
Ich fühle mich gebrochen.