*TRIGGERWARNUNG*

Viele, wenn nicht sogar alle Posts auf diesem Blog könnten triggernd sein also seid vorsichtig beim lesen. Hier geht es hauptsächlich um mein Leben, meine Erfahrungen und wie ich.. überlebe, mit dem was von mir übrig geblieben ist.

Montag, 8. Mai 2017

Flashbackmonday

War das das erste Mal? War das vielleicht wie alles angefangen hat? Nur anfassen. Hart. Wo ich bin weiß ich nicht, aber da steht ein kleines Mädchen und ein Monster im Bad.
Das war bestimmt nur ein schlechter Traum.
Ich habe Angst nachts zur Toilette zu gehen, mache lieber ins Bett und schlafe in der eigenen Pisse. Ich hatte schon wieder einen Alptraum Mama. Unter der Bettdecke mache ich mich ganz klein und kauer mich an die Wand, vorher arrangiere ich das restliche Plümmo so, dass es aussieht als würde ich weiter mittig schlafen. Falls nachts ein Einbrecher kommt und versucht mich zu erstechen.

Die Angst krallt sich mit ihren eiskalten Fingern in mein Herz, und ich glaube nicht, dass sie die Absicht hat so bald loszulassen. Nach anderthalb Stunden Panikzustand und Körpererinnerungen kamen nun die Bilder. Und jetzt? Dissoziiert. Aber immer noch Herzrasen und komische Gefühle an Stellen, die ich mir am liebsten abschneiden würde. Bier auf leeren Magen soll mich taub machen. Vielleicht noch eine Schmerztablette um gar nichts mehr zu spüren und die Stunden bis zur nächsten Therapiestunde zählen. Uni kann ich mir heute auch abschminken. Es muss doch irgendwas helfen gegen all die Angst und all die Schmerzen? Wie hören die Körpererinnerungen wieder auf? Ich will das alles nicht sehen bitte bitte bitte mach dass es aufhört
Es tut so weh und keine Worte der Welt könnten das beschreiben was in mir vorgeht. Ich fühle mich nicht als hätte ich überlebt. Meine Seele wurde mir damals ausgerissen, anscheinend in dem Bad in der Wohnung die mein zu Hause sein sollte. Ein Platz an dem Kinder sich sicher und wohl fühlen sollten. Ich wohne immer noch hier. Muss hier raus

Freitag, 5. Mai 2017

Umstieg

Uff. So. Nun habe ich wieder das Lenkrad in der Hand und sitze nicht mehr bloß auf dem Beifahrersitz und greife zwischendurch das Lenkrad wenn wir kurz vorm Tod stehen.
Die letzte Woche erscheint mir wie ein Traum, alles ist irgendwie in Neben eingehüllt.
Heute hatte ich Doppelstunde Therapie und nach anderthalb Stunden hat meine Therapeutin es geschafft mich wieder nach draußen zu holen und ich hab das erste Mal mit der Teenagerin gesprochen. Bei ihr ist es viel schwieriger einzuschätzen wann sie draußen ist, das muss ich aufjedenfall noch lernen damit das nicht wieder so außer Kontrolle gerät. Sie weiß leider nicht wie sie anders ihre Gefühle ausdrücken kann, deswegen ist sie so extrem depressiv, wütend, selbstzerstörerisch und suizidal. Aber sie will eigentlich nur auch beachtet werden, sie will dass ich weiß, dass sie auch Schmerzen hat. Kann ich auch verstehen, irgendwo. Über die ganzen neuen Schnitte ärgere ich mich aber doch ziemlich, da konnte ich aber anscheinend leider nicht eingreifen. Ich (und meine Therapeutin auch) frage mich aber, wieso sie plötzlich so extrem aktiv geworden ist. Es ist nichts wirklich passiert was das hätte triggern können. Das einzige was mir logisch erscheint, ist, dass es mit der Jahreszeit zu tun hat. Mai/Juni waren bisher immer die schlimmsten Monate. Könnte mir vorstellen, dass im Mai irgendwas besonders schlimmes passiert ist was Innen die ganze Aufruhr jetzt ausgelöst hat.

Ich für meinen Teil (lol) bin total erledigt, habe Kopfschmerzen und bin noch immer ein bisschen überfordert. Gerade habe ich wenigstens was gutes "gefrühstückt", nämlich Müsli mit Banane, Zimt, Milch und Agavendicksaft (klingt ekliger als es schmeckt), mal wieder meine Eisentablette genommen und gleich werde ich mich nochmal hinlegen.

Meine Therapeutin (für die ich so unglaublich dankbar bin, sie ist die beste) hat mir gesagt, dass sie versucht bald einen Termin bei einer guten Psychiaterin für mich zu machen damit ich endlich mal Medikamente bekomme die mir wirklich helfen, denn "so ist das gerade kein Zustand". Sie wird dann allerdings mit mir üben müssen was ich der Psychiaterin sage, weil ich sonst wahrscheinlich alles runterspiele und so tue als wären Medikamente nicht nötig. Unser nächster Termin ist in einer Woche, aber wenns die nächsten Tage wieder schlimm wird kann ich auch Dienstag kommen. In der Hinsicht hab ich dann wenigstens schonmal Unterstützung wenn ich sie brauche. Meine Therapeutin sagt immer, dass man sich an dieses Ding mit den Anteilen irgendwann gewöhnt aber... es kommt mir doch noch wie ein ewig langer Weg vor. Jetzt für den Moment bin ich erstmal froh wieder komplett draußen zu sein und die Kontrolle zurückzuhaben.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Nein, ich springe nicht vor den Zug

30 Minuten hab ichs in der Uni ausgehalten! Und mir quasi selbst den Stempel "Opfer" gegeben, jetzt idt eh alles egal. Werde mich nächste Woche wieder abmelden.

Das Seminar heißt "Professionalisierung in der person" und ich habe mich eigentlich drauf gefreut und nicht erwartet, dass es dort Trigger geben könnte. Ja. Mal wieder geirrt.

Ein Kommilitone arbeitet in einem Wohnheim für psychisch Kranke und wollte ein Beispiel zum Thema bringen. Was ist das Beispiel? Ein pädophiler Mehrfachtäter, an die 50/60 hat er wohl vergewaltigt. Mehr hab ich nicht gehört, es hat angefangen in meinen Ohren zu rauschen und "warum ist der nicht im Gefängnis?" kam aus meinem Mund. "Weil er psychisch krank ist" war die Antwort. Alles in mir hat gebrannt, mein ganzer Körper hat gebebt und ich musste raus. Einfach nur weg.
Wieso hat der Täter die Chance auf ein normales Leben? Wieso bekommt er Unterstützung bei alltäglichen Sachen? Wenn er so vielen ihr Leben geraubt hat?
Ich könnte so viel mehr sein wenn das alles nicht passiert wäre. Meine Seele ist wortwörtlich zerbrochen durch das, was mir angetan wurde. Ich werde NIE ein ganz normales Leben führen können. Niemals. Wieso gibt es keine Konsequenzen?
Ich werde das für immer mit mir rumtragen.

Am Bahnhof bin ich dann beinahe explodiert und musste mein Handgelenk als Aschenbecher benutzen, weil ich sonst für nichts hätte garantieren können. Mindestens 2m Abstand zwischen Gleisbett und mir, weiß nicht ob ich sonst nicht einfach einen Schritt gemacht hätte.

Kopfgefickt

Vor 12 Uhr Mittags Weinschorle auf leeren Magen trinken um die Angst vor der Angst zu betäuben. Ich wollte nie so sein, aber es geht gerade nicht anders. Ich muss mich in diesem Seminar einschreiben. Obwohl ich mir zurzeit echt unsicher bin ob ich nicht vielleicht doch in die Klinik muss. Ich werde bald wahrscheinlich eh neue Medikamente bekommen weil a) meine Blutwerte komplett im Arsch sind, b) die Dosis die ich nehme lächerlich ist und eh nicht hilft und c) meine Symptomatik komplett anders ist als vor 4 Jahren. Zurzeit ist es echt so schlimm wie lange nicht mehr. Vielleicht liegt es auch an dem Monat Mai, der ist irgendwie verflucht in meinem Leben. Ich wünschte ich wär damals verreckt. Gleich muss ich losgehen und ich bekomme jetzt schon Angst. Es kribbelt und ich weiß nicht ob es eine Körpererinnerung oder Panikattacke (oder beides) ist, alles in mir schreit danach einfach die Wohnung nicht zu verlassen aber ich muss. Ich muss auch noch den neuen Bafög Antrag stellen, ich muss Bewerbungen für das Praktikum rausschicken, ich muss Leuten absagen mit denen ich eventuell eine WG eröffnen wollte weil ich psychisch gerade ein extremes Wrack bin. 3. oder 4. Weinglas geleert. Verband um den Arm gemacht. Jetzt Zähne putzen und dann auf in die Schlacht

Mittwoch, 3. Mai 2017

I wish I was more than this walking tragedy

"Liebe Frau X, in 2 Tagen sehen wir uns zum Glück und werden bestimmt wieder was erreichen! Passen Sie gut auf sich auf! LG"

Danke für die Unterstützung. Hab jetzt schon das Bedürfnis von ner Brücke zu springen, aber klar, ich schaff das schon bis Freitag.

"Passen Sie gut auf sich auf!" Nein. Ich habs satt. Ich will nicht mehr auf mich aufpassen. Irgendwann reichts. Wieso passt nie jemand auf mich auf? Wieso werde ich immer im Stich gelassen, von den Leuten denen ich vertraue? Wenn sich nicht einmal mehr meine Therapeutin um mich schert, wer ist mir dann noch geblieben?
Es gibt niemanden hier der mich versteht. Niemanden, mit dem ich ehrlich reden kann. Ich lüge so viel, manchmal vergesse ich schon beinahe was jetzt überhaupt noch wahr ist. Die Lügentürme um mich herum sind mittlerweile so riesig geworden und ich befürchte ernsthaft, dass sie bald einstürzen werden.

Man wirds kaum glauben, aber irgendwann kann selbst ich nicht mehr. Aber wie immer sieht es keiner. Niemand sieht den ganzen Schmerz, doch wieso wundere ich mich überhaupt noch? Es war doch nie anders. Nichts wird jemals besser, und wenn die Zeit irgendwas geändert hat, dann ist es dass sie die Wunden nur noch weiter aufgerissen hat; das einzige was ich mir mittlerweile wünsche ist endlich am Blutverlust zu sterben.

I am the shape you made me. Filth teaches filth.

"dann redet er von Geheimnissen nachts,
alles woran ich glaubte rinnt an meinen Beinen hinab"

Ich habe Angst im Zug wieder eine Panikattacke zu bekommen. Ich will dass die Gedanken aufhören. Ich will dass mein kopf endlich leise ist. Es schreit in mir, und die Kleine weint und es ist einfach so grauenvoll alles. Ich habe Angst, dass im Seminar was triggerndes gesagt werden könnte. Die Angst krallt sich mit ihren schwarzen Händen um mein Herz und lässt mich erzittern. Allein bei dem Gedanken rauszugehen fängt mein Herz an in doppelter Geschwindigkeit zu schlagen.

Ich kann es nicht etragen. Die Wahrheit. Ich will dass es wieder weg geht, im Nebel verschwindet. Niemals werde ich darüber hinwegkommen. Niemals. Meine Seele ist zerbrochen, und es schreit und weint und der Schmerz ist unerträglich. Ich will mich einrollen und mit meinem Teddy im Bett liegen und alles alles alles vergessen. Ich will mich so klein machen dass ich verschwinde. Ich will nicht alle blöden erwachsenen-sachen machen müssen, wenn ich gerade wieder 8 bin und hilflos einem Monster ausgeliefert bin. Und an all die anderen Monster will ich erst recht nicht denken.
Wie weit kann man mit 8 zählen?
Was ist, wenn das Monster nicht nur Monster ist?

Dienstag, 2. Mai 2017

TRIGGERWARNING sex. missbrauch, bitte nicht lesen wenn ihr leicht getriggert werdet. Es tut mir leid für die harten Worte, aber ich kann es nicht beschönigen.

Wie kann es sein, dass ein Mensch ohne Wert geboren wird?
Wieso war ich nie wertvoll genug, dass jemand etwas gemerkt hat? Wie kann es sein, dass ich vergewaltigt und missbraucht wurde und niemand etwas gemerkt hat? Nichtmal meine Mutter. Wieso hat sie mich nicht beschützt? Ich war doch noch so klein. Einfach rumzukriegen. Das perfekte Opfer.
Wenn das einzige was man will, eine intakte "normale" Familie ist, scheint es auch ok zu sein von der Vaterfigur missbraucht zu werden, oder? Meine Mama ist glücklich mit ihm!!!! Alles ist gut. Dank der Dissoziation habe ich eh keinen Missbrauch erlebt, leider wandert nun das Kind, dass all die Erinnerungen trägt seit Jahren verloren in mir umher. Manchmal ist es seltsam, wenn die Grenzen verschwimmen zwischen dem was man selbst erlebt hat und all den Dingen die der dissoziierte Anteil trägt. Theoretisch zu wissen, dass es einem passiert ist, ändert nicht das Gefühl dass es jemand anders ist. Wenn man von oben herab auf ein kleines Mädchen schaut welches auf bestialische Art und Weise missbraucht wird ist es zwar unangenehm, aber man kann eben wegschauen. Die Augen zu machen und nach Innen verschwinden. Der Dreck und die Scham die an mir klebt werden niemals verschwinden. Scheinbar gab es keine Grenzen bei dem was ihr angetan wurde.
Es ist hell. Es ist so unglaublich hell, man kann kaum was sehen. Weiße Fliesen überall. Auf allen Vieren, nackt. Ketten. Er wedelt mit einem Polaroid Foto und lacht. Cut.
Ein Loch in einer Wand aus Pappe oder Ähnlichem. Ein Mund. Auf Knien. Männer. Ich bin noch zu klein um so weit zu zählen. Cut. Bitte, wenn es einen Gott gibt, bitte bitte bitte mach dass es aufhört. Mach dass es aufhört weh zu tun. Hilf mir das alles wieder zu vergessen. Ich komm nicht voran. Meine Vergangenheit verschlingt mich.