Ein Wimpernschlag und schon wieder sind keineahnungwieviele Stunden vergangen und ich befinde mich immer noch am selben Fleck.
Ich fühle mich nicht mal sonderlich depressiv, oder zumindest hab ich mich schon depressiver gefühlt (kann man das so sagen?), es ist bloß eine mich komplett einnehmende gähnende Leere in mir. Ich könnte wahrscheinlich überfahren werden und würde es nicht mitbekommen aber irgendwo wär es mir sicherlich auch egal. Ständig frage ich mich, was denn bloß los ist mit mir - was total bescheuert ist, denn ich weiß es ja: Trauma, Flashbacks, Depressiv, Bulimie - mit anderen Worten also komplett gestört. Doch nichtmal diese ganzen Diagnosen bringen mir irgendwas. Wo soll ich anfangen? Will ich anfangen? Lohnt es sich überhaupt? Ist das alles denn überhaupt real? Es fühlt sich teilweise so furchtbar irreal an, dass ich am liebsten aus dem Fenster springen würde um zu gucken ob es nicht doch bloß ein Albtraum ist.
(ca. 10 Minuten später) Jetzt fühl ich mich doch so ziemlich depressiv. Meine Mutter läuft hektisch in der Wohnung rum und sammelt ihre Sachen zusammen um zu ihrem Nebenjob zu fahren und ruft irgendetwas unverständliches. Also stehe ich auf und gehe zu ihr, umarme sie und würde am liebsten für immer so verbleiben. Wie früher manchmal, vor dem schlafengehen. Ich hab meine Mama ganz fest und lange umarmt und hatte das Gefühl unsere Herzen wären mit einem Band verbunden und ich wollte sie partout nicht loslassen. Ich schnorre sie wegen Geld für Tabak an weil ich nicht mal mehr dafür Geld habe und sie sagt sie bringt mir auf dem Rückweg welchen mit. Ich sacke auf der Küchenbank zusammen und vergrabe meinen Kopf in meinen Armen "Wenn dir das, was du die ganze Zeit tust nicht gut tut, musst du mal was anderes probieren." Ein Kloß bildet sich in meinem Hals und verursacht Schmerzen "Aufräumen, saugen, frische Luft. Mal über die Pläne für deinen Schreibtisch nachdenken, vielleicht ein neues Nähprojekt." Meine Sicht verschwimmt und ich starre schief an die Decke um die Tränen so lange zurückzuhalten bis sie aus der Tür ist "Wir müssen auch nochmal zum Nähladen." "Ich kann nicht rausgehen" stammle ich "Doch das kannst du. Ich bin bei dir, du musst dir jetzt nicht einreden, dass du Angst hast rauszugehen." Das muss ich mir nicht einreden. Das ist so. Oder? "Ich muss jetzt los. Pass auf dich auf." "Ja, mach ich" sag ich in einem Atemzug, und als die Tür zufällt kann ich nicht aufhören zu schluchzen. Verloren laufe ich durch die Wohnung und umklammere meinen eigenen Körper in der Hoffnung nicht auseinanderzufallen. Vor Tränen kaum etwas sehend taumel ich in mein Zimmer und lasse mich wieder ins Bett fallen. Ich wiege mich vor und zurück und fühle mich nackt, entblößt, missbraucht. Ich bin wieder klein. Und meine Hand ist nicht meine und dieses Zimmer sieht komisch aus. Es tut weh. Alles tut so weh. Wieso hilft mir niemand?
Ich schaff einfach gar nichts. Morgen hab ich wenigstens wieder Therapie, aber was mir das bringen soll weiß ich auch nicht. Ich will nichts mehr.
Doch eine Sache solltest du wollen, also das hoffe ich und zwar meinen Besuch. Wir beide werden uns treffen. Wir werden es schaffen unsere Angst besiegen und die Welt die Stirn zu bieten. Ich lass dich nicht allein mit deiner Angst, versprochen.
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